Schneckenleben

 

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40 Jahre Ferien

Klingt gut, ich weiß. Aber es ist der Titel des Stückes, das ich gestern im Kabarett genießen durfte.

Ein ehemaliger Gymnasiallehrer bringt dabei - untermauert durch musikalische Einlagen und dialektal gefärbt - Possen aus dem Lehrerleben und auch aus Sicht des Schülers zum Besten. Drei Stunden Genuss pur. Ich musste so viel lachen, dass hinterher meine Gesichtsmuskeln schmerzten. Leider konnte ich nicht mehr alle Einzelheiten dieser genialen One-Man-Show behalten, doch zog der Kabarettist sein Programm in einem gut organisierten Bogen durch:

Es fing an mit Klausurenkorrekturen, die offenbarten, wie ein Lehrer es ertragen kann, 35 mal denselben Quatsch zu lesen mit denselben Fehlern und immer von denselben Schülern: nämlich mit viiiieeel Rotwein nebenei. Die aufs Blatt fallenden Rotweinflecken werden dann in mühseliger Arbeit durch Kaffeeflecken ersetzt, da man diese auf dem Arbeitsblatt des Schülers leichter erklären kann als Rotweinflecken. Nebenbei wurde darauf hingewiesen, dass ein Lehrer zwar vormittags Recht hat und nachmittags frei, aber dass er nachts korrigiere, weiß niemand, der kein Lehrer ist. Als schlimmstes Problemwort stellte sich das Wort "Rhythmus" heraus, das immer wieder falsch geschrieben wird. Nur der Maxl, der Legastheniker ist, hat es als Einziger richtig geschrieben. Aber da man ja annehmen muss, dass ein Legastheniker falsch gedacht hat und er es daher nur zufällig richtig geschrieben hat, wurde auch bei ihm das Wort als Fehler gewertet. Logisch, oder?

Danach folgte eine Klassifizierung des Lehrers, wonach es insgesamt vier Lehrertypen gibt:
1. Den Sedlmeier, dem alles egal ist und der bei jedem Problem die Arme verschränkt und ein "Mir issa wurscht" ausschnaubt.
2. Den Gütlich, der alles duldet und dabei nur Bedenken anmeldet. Als Bedenkenträger hat er ein eigenes Amt inne.
3. Den Gmeinwieser, der energisch ist und alles im Griff hat.
4. Den Gregorius, der als Meister der Alten Sprachen diese benutzt um sich durchzusetzen.


Diese Klassifizierung zog sich durch den Rest des Stückes durch, in dem u.a. auch die hohe Altersstruktur der Lehrkräfte aufgezeigt wurde. Nicht zu vergessen sind auch die leidigen Lehrerkonferenzen, für die sich Lehrer in der Regel mit einem als Orangensaft im Tetrapack getarnten Weißbier und einer im DinA 4-Format kopierten Tageszeitung präparieren um die lange Zeit einigermaßen sinnvoll nutzen zu können.

Später erfuhr man dann, wie in einer 11. Klasse die 1. Stunde am Montag üblicherweise abläuft. Die Mädchen unterhalten sich übers Wochenende, ein paar gehen regelmäßig aufs Klo (wo sie sich die Zeit mit Rauchen und ... vertreiben) und viele Schüler sind erst gar nicht erschienen.

Wie ein Schultag aus Sichter der Schüler stattfindet, war ein weiterer Teil des Programms. Die Ärmsten. Für sie bedeutet es Stress, jede Stunde ein anderes Gesicht vor sich zu haben, kaum dass man sich an das Alte gewöhnt hat. Zu allem Übel erzählt das neue Gesicht dann auch noch von einem ganz anderen Unterrichtsstoff, will irgendetwas von der letzten Stunde wissen und Hausaufgaben (was ist das überhaupt?) kontrollieren. Schlimm wird es dann auch, wenn man erst noch den Raum wechseln muss. Damit ist ein Schüler dann endgültig überfordert. Und - es ist regelmäßig zu beobachten, dass Schüler am Ende eines Schultages so k.o. sind, dass sie sogar noch von Lehrern, die auf dem Weg zu ihrem Auto sind, überholt werden!

Auch einige neue Termini erfuhr man durch den Kabarettisten. Statt "Hauptschule" verwendete er den Begriff "Endlager", die Schülerschaft bezeichnete er als "unorganisierten Zellhaufen". Man sollte überlegen, ob man derartige Ausdrücke nicht als neue Fachbegriffe einführt. :-)

Abgerundet und beendet wurde das Stück passenderweise anhand der Darstellung einer Abschlussfeier. Wehmütig (und auch ein bisschen froh) blickt man hinterher, wie wieder ein Jahrgang, mit dem man sich als Lehrer jahrelang heruntergeärgert hat, in die "große weite Welt" hinaustritt.

Und natürlich gab es auch eine Zugabe: Es wurden im Publikum Blockflöten ("Blödflocke") verteilt (jeder bekam eine), die durch verschiedene farbige Bänder abgeklebt waren, wodurch die jeweiligen Farben unterschiedliche Töne hervorriefen. Dann wurde ein farbiges Band aufgespannt und jeder musste, wenn seine Farbe auf dem Band angezeigt wurde, in seine Flöte blasen. Daraus ergab sich ein kleines Stück, das man sogar als bekannt erkennen konnte.

Alles in Allem ein gelungener Abend, der auf unterhaltsame Weise und sehr authentisch widerspiegelte, wie es in Schulen zugeht. Bravo!

3.4.06 16:22
 


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