Schneckenleben

 

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Lehrerhasser

Jeder kriegt sein Fett weg!

Neben den Politikern wird auch gerne über die Gilde der Pädagogen hergezogen. Zur Zeit sind Letztere wieder häufig in den Medien zu finden, nicht zuletzt evoziert durch Pisa, Desi und last but not least einschlägige Literatur, wie beispielsweise dem "Lehrerhasserbuch" von Lotte Kühn.

Auch heute findet man im "Spiegel-Online" wieder einen Artikel, der besagt, dass die armen unschuldigen Schüler von den gemeinen Lehrern verbal gedemütigt würden. Hier ein Auszug:

"Mit deinem Gesicht würde ich mich lieber bei Aldi hinter der Kasse bewerben", verhöhnt der Französischlehrer eine Fünftklässlerin, die gerade wegen der Vier in der Klassenarbeit in Tränen ausgebrochen ist.

"Schriftlich ist ja wohl überhaupt nicht dein Ding, mündlich haste nix drauf". "Und so was geht aufs Gymnasium!". "Den ganzen Tag mit euch zusammen, das hält doch keine Sau aus!". "Aus was für einem Elternhaus kommt ihr eigentlich? Ihr seid doch in der Gosse aufgewachsen".

Dumme Bemerkungen von Unterrichtsbeamten pflastern schon den Weg durch die Grundschule, das Gymnasium sattelt noch eins drauf. Dort hilft der Lehrer seinem geschundenen pädagogischen Ego mit rituellen Gemeinheiten auf die Sprünge und greift aus Hilflosigkeit, Überforderung und Ich-Schwäche auf ungefähr alle Bosheiten zurück, zu denen sich Stärkere gegenüber Schwächeren gemeinhin hinreißen lassen. Sobald der Lehrer die Klassentür schließt, ist er König. Das Machtgefälle ist groß, der Kampf ungleich: Gegen Ironie sind Kinder bis weit ins Teenageralter hinein wehrlos - sie können nicht mit gleicher Münze zurückzahlen.


Möchte man diesem Artikel Glauben schenken, so wird der Lehrer als respektloses Monster hingestellt, das sich nur noch durch Verbalinjurien zu helfen weiß. Aber seien wir doch mal ehrlich: Wie schlecht muss das Verhältnis zwischen Eltern und Schülern sein, dass nach einem solchen Vorfall nicht am nächsten Tag die Eltern auf der Matte stehen und sich beim Schulleiter beschweren würden? Hätte mich ein Lehrer beleidigt, hätte ich dies selbstverständlich meinen Eltern erzählt - und diese wiederum hätten dem Direktor etwas erzählt. Und der gemeine Lehrer hätte dann mit Disziplinarmaßnahmen rechnen müssen.

Also - irgendwas stimmt hier nicht: Entweder - falls Lehrer wirklich solche Verbalattacken loslassen sollten - berichten die Sprösslinge zu Hause davon nichts (Scham?) oder sind die Eltern solche Luschen, dass sie dies alles hinnehmen? Stimmen sie dem Lehrer am Ende sogar zu?? Oder sollte man derartige Ausbrüche der Pädagogen eher als "Notwehr" deuten, die zu derartigen verbalen Schlägen nur dann greifen, wenn bei dem Kind keine anderen Maßnahmen mehr fruchten?

Ich gebe zu, auch mir sind in besonders nervigen Situationen schon ein paar unflätige Worte entwischt, die ich hinterher bereut habe. Wobei "Furkan, halt doch mal deinen Schnabel" noch zu den harmlosen und liebevollen Beschimpfungen zählt. Aber sind nicht auch Schüler hin und wieder mal gemein zu uns? Sagen sie nicht auch gerade heraus, was sie über den Lehrer denken? Ich finde, im Wege der Gleichberechtigung sollten auch wir mal den Schülern gegenüber ehrlich sein dürfen und sagen, was wir tief im Innersten denken: "Hier, Paula, teil doch mal die Blätter hier aus, dann tust du wenigstens mal was für deine Figur!"
28.3.06 17:05
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


S. / Website (29.3.06 08:16)
Ich hab da ein sehr schönes Beispiel. Ich bin in der 5. Klasse hängen geblieben. Wegen einem Lehrer, der mir eine 5 in Franz gab. Das war gerechtfertigt. Meine Eltern waren in Scheidung, ich war lange nicht in der Schule. Ohne auch nur einmal mit meinen Eltern zu reden oder anch Umständen zu fragen hieß es, ich wäre faul, ich wäre zu dumm für die Schule, ich sollte nicht dauernd schwänzen, ich sollte es lieber auf der Hauptschule versuchen. Genau erinnere ich mich nicht an jeden Wortlaut, aber so in etwa. Nunja, damals hat es mich fertig gemacht, weil´s mir sowieso schon scheiße ging.

Jedensfalls bekam ich den Lehrer in der zwölften Klasse wieder. Diesmal in Erdkunde. Potenziell ein 2er Fach. Ist bei ihm auhc so geblieben und wir verstanden uns wunderbar. Seine verbalen Attacken verstand ich mittlerweile mit viel Ironie und Sarkasmus, so dass wir uns eigentlich einen zwei-jähringen Kampf lieferten, der viele Schüler ebenso belustigte wie uns selbst. Wir gingen nach diesen zwei Jahren gut befreundet auseinander und jedesmal wenn wir uns treffen unterhalten wir uns mindestens eine halbe Stunde und verstehen uns super.

Was das eigentlich nur aussagen soll: Jeder hat sein recht auf Ironie, Sarkasmus, Humor, wie man das auch nennen will. ABER, je jünger die Schüler sind, desdo vorsichtiger sollten die Lehrer sein mit solchen Sprüchen. Wenn beiden Seiten klar ist, dass es "Spaß" ist, dann ist das okay, sobald einer das nicht versteht, darf soetwas nicht passieren. Zumindest nicht über einen längeren Zeitraum.
Liebe Grüße

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