Schneckenleben

 

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Jeffrey Deaver - Ein tödlicher Plan

Puh, endlich hab ich mich durchgequält. Der Roman ist anfangs so langweilig wie das Cover. So etwa aber Hälfte überschlagen sich die Ereignisse und der Schluss bringt - welch Überraschung - eine plötzliche Wendung mit sich.

Jeffrey Deaver-Fans werden also altbewährte Schemata wiederfinden und sicherlich auf ihre Kosten kommen - aber erst ab der Hälfte. Mehr wird nicht verraten.
5.7.06 16:26


Wieder auf dem Teppich

Tja, das war's. So schnell kann's geh'n. Die deutsche Elf ist aus dem Rennen. Und das, wo wir doch laut Medien "ganz sicher Weltmeister werden".

Hahaha, dass ich nicht lache. Warum ausgerechnet wir? Nur weil wir der Austragungsort der WM sind?

Nein, dazu gehört mehr als nur Flaggen schwingen. Und das ist ja scheinbar seit der jähen und fast schon peinlichen Niederlage gestern Abend bereits Vielen vergangen. Zumindest sieht man nicht mehr derart lange Konvois von beflaggten Pkws auf den Straßen.

Der Alltag hat uns wieder. Die Normalität ist wieder eingekehrt. Die Bevölkerung ist wieder auf dem Teppich und wird den Schock auch in spätestens zwei Wochen verdaut haben.

Ach, war das eine seltsame Stille, die gestern Abend über der Stadt hereinbrach. Auf dem Heimweg, kurz nachdem die Italiener mit zwei Toren Vorsprung die Deutschen aus dem Rennen gekickt hatten, schien alles still zu stehen. Die wenigen Fahrzeuge, die unterwegs waren, gleichten einem Trauerzug, man sah kaum Menschen auf den Straßen und wenn doch, dann können es nur Italiener gewesen sein. Der Deutsche trauerte im Stillen. Zu Hause.

Nun ja, wir werden es überstehen. Die Welt wird sich weiterdrehen. Und für unsere Fußballjungs wird es nicht die letzte Chance gewesen sein.



5.7.06 17:21


Abschlussprüfungen die Zweite

Heute bin ich endlich mit der Korrektur der Abschlussprüfungen fertig geworden. Ist schon ein Hammer, Englisch als Erstkorrektor und Deutsch als Zweitkorrektor korrigieren zu müssen. Ich kann das Wort "Korrigieren" deshalb auch schon nicht mehr hören vor lauter Korrigierwahn!

Idealerweise hat sich das Kultusministerium dazu durchgerungen, die Notenschlüssel doch schon 40 Stunden vor der Notenkonferenz bekannt zu geben, so dass man sogar noch rechtzeitig fertig wird.

Aber heute bin ich alles losgeworden und kann mich jetzt auf die mündlichen Prüfungen vorbereiten - welche Freude! :-)
5.7.06 17:29


Alles Malle - oder was?

Die Sonne scheint bei Tag und Nacht - Eviva España! Sangria, Paella und Malle! Was wären wir Deutschen ohne unsere spanische Lieblingsinsel und ohne die iberische Küche? Spanisches nehmen wir ja gerne in den Mund - nur mit der Aussprache hapert's manchmal.

Sommerzeit, Ferienzeit - und wie jedes Jahr fliegen Hunderttausende Deutsche zu jener spanischen Insel, die von manchem schon liebevoll-imperialistisch als 17. Bundesland bezeichnet wurde. Dabei wissen längst nicht alle einmal, wie man den Namen dieser Insel richtig ausspricht: Viele nennen sie "Mal-lor-ka", mit einem lieben, lustigen "l"-Laut in der Mitte. Dass das Doppel-l im (Hoch-)Spanischen für "lj" steht, kann man ohne entsprechende Vorbildung ja auch nicht wissen. Und selbst diejenigen, die über die entsprechende Vorbildung verfügen, sprechen in der verkürzten Form gern von "Malle".

Offiziell wird das spanische "ll" (genannt "elje") mit einem leicht anklingenden "l" gesprochen, so wie im deutschen Wort "Familie". Aber für Spanien gilt dasselbe wie für Deutschland: Überall spricht man anders. In der Umgangssprache hat sich das Elje zu einem "j" verschliffen, sodass außer "Maljorka" auch oft die Form "Majorka" zu hören ist. In Südamerika ist es sogar noch ein bisschen anders, aber das führte jetzt buchstäblich zu weit.

Bei der Paella ahnen die meisten Deutschen offenbar, dass dort irgendwo ein "j"-Laut hingehört. Das beliebte spanische Resteessen wird jedenfalls zumeist richtig "Paëlja" ausgesprochen, sowohl mit l als auch mit j. Regelmäßig ins Schleudern kommt man im Spanischen ja beim Zählen. Erst haben wir Deutschen mühsam die italienischen Zahlen gelernt (uno, due, tre, quattro), nun müssen wir auch noch die spanischen lernen. Und die sind so verdammt ähnlich! Was heißt denn nun "zweimal Paella bitte" auf Spanisch? "Due ... nein ... dos paella per... por... favore." Oder so ähnlich. Hauptsache, man wird verstanden.

Und das wird man ja, weil immer mehr Spanier inzwischen Deutsch sprechen. Zumindest in der Gastronomie. Die meisten Speisekarten sind ohnehin mehrsprachig. Dabei kommt es immer wieder mal zu Missverständnissen. Erst deutete der Wirt der Pizzeria "Don Quixote" die allseits beliebte Pizza "Quattro Stagioni" (Vier Jahreszeiten) zur Pizza "Quattro Stazioni" um. Ein geringfügiger Hörfehler, kaum schlimmer als die Verwechslung des Wortes "Stadion" mit dem Wort "Stadium", wie sie den Sportreportern während der WM reihenweise unterlaufen ist. Beim Übersetzen ins Deutsche wurde aus der "Quattro Stazioni" dann eine Pizza "Vier Bahnhofs". So kommt es, dass die Gäste beim Studieren der Speisekarte bisweilen nur Bahnhof verstehen - das dann aber gleich vierfach.

Übrigens enthält auch der bei deutschen Touristen so beliebte Schlager "Eviva España"* einen Hörfehler. Denn "Eviva España" ergibt im Spanischen gar keinen Sinn. Der korrekte Konjunktiv lautet "¡Qué viva España!" ("Möge Spanien hochleben!"), und so heißt es denn auch in der spanischen Version des Liedes.

Die Deutschen, die dauerhaft auf Mallorca leben (vornehm auch "die deutschen Residenten" genannt), schlagen sich indes mit ganz anderen Problemen herum. So wollte der Chefredakteur der "Mallorca Zeitung" beispielsweise von mir wissen, ob es eine Regel für die Ableitung von Städtenamen gebe. Wie heißen die Einwohner der Inselhauptstadt Palma? Werden sie auf Deutsch Palmaner genannt? Oder Palmaraner? Palmarianer? Oder gar Palmesen? Da war ich im ersten Moment ratlos. Eine Regel gibt es nämlich nicht, die meisten Formen sind historisch gewachsen; manchmal entstanden sie in Analogie zu anderen Formen, manchmal setzte sich auch einfach diejenige Form durch, die sich am besten aussprechen ließ.

Sicher weiß ich nur, dass die Bewohner Palmas nicht "Palmen" heißen. Die gibt es auf der Insel zwar auch, doch die bewegen sich nicht von der Stelle. In der Redaktion der "Mallorca Zeitung" orientiere man sich an den spanischen Formen, erklärte mir der Chefredakteur. Und auf Spanisch heißen die Bewohner von Palma de Mallorca "Palmesanos". Ich erwiderte, dass ich die Übernahme der spanischen Form für eine vernünftige Lösung halte, auch wenn sie ein bisschen nach italienischem Reibekäse klingt.

Auch im Spanischen gibt es für die Ableitungen keine festen Regeln. Die Bewohner der kanarischen Insel La Palma werden "Palmeros" genannt, und die Einwohner der Stadt Las Palmas auf Gran Canaria heißen "Palmense". Da soll sich einer zurechtfinden! Die meisten sind ja schon froh, wenn sie die kanarischen und die balearischen Inseln auseinander halten können. (Die Eselsbrücke lautet: Auf Malle gibt's den Ballermann, daher gehört die Insel zu den Balearen.)

Zum Verwirrspiel zwischen "l" und "j" wusste ein Leser folgende hübsche Anekdote zu berichten: Als der Schauspieler Til Schweiger einmal zu Gast in der Harald-Schmidt-Show war und es um Tequila ging (das ja nur mit einem "l" geschrieben und deshalb auch im Spanischen als "l" gesprochen wird), soll Schweiger den Gastgeber verbessert haben, als dieser richtig "Tekila" sagte. Im Spanischen würde das "l" wie ein "j" gesprochen, so Schweiger, deshalb heiße es "Tekija". Da Schweiger dies sehr überzeugend vortrug, sprach die ganze Runde fortan von "Tekija".

Auf einem Rummelplatz in Palma de Mallorca erlebte ich etwas, das mich schmunzeln ließ. Ich hatte Appetit auf etwas Süßes und reihte mich in die Warteschlange vor einem Crêpe-Stand ein. Vor mir war ein ungefähr achtjähriger mallorquinischer Junge dran. Als er gefragt wurde, was er auf seine Crêpe haben wolle, deutete er auf das Glas mit der Haselnusscreme und rief: "Nuteja!" So also rächt sich der Spanier für unser "Mal-lor-ka". Er spricht das Doppel-l in "Nutella" wie ein "j"! Was dem Deutschen sein Malorka, das ist dem Spanier sein Nuteja. Damit wäre dann ja alles im Lot. Bis zum nächsten Mal, wenn es wieder heißt: Hasta la vista = Hast du die gesehen?

von Bastian Sick
26.7.06 17:47





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